Was sind Distributionskosten — und warum entscheidet die Netto-Betrachtung?
Distributionskosten sind alle Kosten, die anfallen, damit eine Buchung zustande kommt: OTA-Provisionen, Metasearch-Klickkosten, GDS-Gebühren, Reiseveranstalter-Abschläge und die Kosten der eigenen Buchungsstrecke. Für die Profitabilität zählt nicht der Bruttoumsatz, sondern der Nettoertrag — das, was nach Abzug dieser Kosten im Hotel bleibt. Zwei Buchungen mit identischem Zimmerpreis können sich netto um 20% und mehr unterscheiden.
Trotzdem steuern viele Hotels ihren Vertrieb nach Bruttozahlen: Das PMS zeigt Umsatz pro Kanal, und am Monatsende zählt, ob der Umsatz über dem Vorjahr liegt. Welcher Anteil davon an Plattformen, Systeme und Mittler geflossen ist, taucht in keiner Auswertung auf. Genau diese Lücke macht den Bruttoumsatz zu einer trügerischen Kennzahl.
Warum lügt der Bruttoumsatz?
Weil er jede Buchung gleich behandelt, obwohl die Kosten je Kanal fundamental verschieden sind. Eine OTA-Buchung über EUR / CHF 200 erscheint im Umsatzbericht genauso wie eine Direktbuchung über EUR / CHF 200 — netto liegen zwischen beiden schnell EUR / CHF 20 bis 40 pro Nacht.
Das Problem verschärft sich, weil Distributionskosten selten sichtbar verbucht werden: OTA-Provisionen laufen als Aufwand in der Erfolgsrechnung, Metasearch-Kampagnen im Marketingbudget, und Reiseveranstalter-Abschläge tauchen gar nicht erst auf, weil direkt die Nettorate fakturiert wird. Wer nur auf den Umsatz schaut, sieht ein wachsendes Hotel — und übersieht, dass der Ertrag pro verkauftem Zimmer sinken kann, wenn das Wachstum über teure Kanäle eingekauft wird.
Die Konsequenz: Vertriebsentscheidungen — welcher Kanal mehr Kontingent erhält, welche Rate wo angeboten wird — brauchen eine Netto-Basis. Sonst optimieren Sie systematisch in die falsche Richtung.
Was kostet welcher Buchungskanal wirklich?
Jeder Kanal hat eine eigene Kostenstruktur. Die fünf wichtigsten im Überblick:
OTA: 15–25% Provision
Booking.com, Expedia und Co. berechnen je nach Markt, Vertrag und Sichtbarkeitsprogramm zwischen 15% und 25% Provision auf den Buchungswert. Wer zusätzlich an Programmen wie Genius oder Preferred Partner teilnimmt, zahlt effektiv am oberen Ende. Dafür liefern OTAs globale Reichweite, die kein einzelnes Hotel allein aufbauen kann.
Metasearch: Klickkosten statt Provision
Google Hotel Ads, Trivago oder Tripadvisor funktionieren meist nach Cost-per-Click: Das Hotel zahlt pro Klick auf seine Rate — unabhängig davon, ob anschliessend gebucht wird. Die effektiven Kosten je Buchung hängen damit direkt von der Conversion der eigenen Buchungsstrecke ab. Mit guter Website liegt Metasearch deutlich unter OTA-Provisionen; mit schwacher Buchungsstrecke kann es teurer werden als jede OTA.
GDS: Transaktionsgebühren plus Agenturprovision
Buchungen über globale Distributionssysteme (Amadeus, Sabre, Travelport) kombinieren mehrere Kostenblöcke: eine Transaktionsgebühr von typischerweise EUR / CHF 5–15 pro Buchung, dazu meist 8–10% Provision für das buchende Reisebüro. Für Corporate-Geschäft mit soliden Raten kann sich das rechnen — bei tiefen Raten frisst die Fixgebühr die Marge.
Reiseveranstalter: Nettoraten mit 20–30% Abschlag
Touroperator und Bettenbanken arbeiten mit Nettoraten, die typischerweise 20–30% unter der Bestpreis-Rate liegen. Diese Kosten sind unsichtbar, weil keine Provision fliesst — der Abschlag steckt bereits im Preis. Dafür bieten Veranstalter planbares Volumen mit langem Vorlauf, was für Ferienhotels in der Schulterzeit wertvoll sein kann.
Die «kostenlose» Direktbuchung
Direktbuchungen gelten als provisionsfrei — kostenlos sind sie nicht. Booking Engine (fix oder 1–4% pro Buchung), Zahlungsabwicklung (rund 1,5–3%), Website-Betrieb, Suchmaschinenwerbung und Newsletter-Tools kosten ebenfalls Geld. Realistisch gerechnet liegen die Kosten einer Direktbuchung häufig bei 5–10% des Buchungswerts — deutlich günstiger als jede OTA, aber eben nicht null. Wer die Direktkosten ignoriert, überschätzt den Vorteil und vergleicht Kanäle auf falscher Basis.
Rechenbeispiel: Was bleibt von EUR / CHF 200 je Kanal übrig?
Die gleiche Übernachtung, der gleiche Preis — vier verschiedene Nettoerträge:
| Kanal | Bruttoumsatz | Distributionskosten | Netto-ADR | Kostenquote |
|---|---|---|---|---|
| Direktbuchung (Booking Engine, Payment, anteiliges Marketing) | EUR / CHF 200 | EUR / CHF 16 | EUR / CHF 184 | 8% |
| GDS / Corporate (Transaktionsgebühr + Agenturprovision) | EUR / CHF 200 | EUR / CHF 32 | EUR / CHF 168 | 16% |
| OTA (18% Provision) | EUR / CHF 200 | EUR / CHF 36 | EUR / CHF 164 | 18% |
| Reiseveranstalter (Nettorate 25% unter Bestpreis) | EUR / CHF 200 | EUR / CHF 50 | EUR / CHF 150 | 25% |
Zwischen dem günstigsten und dem teuersten Kanal liegen EUR / CHF 34 pro Nacht — bei identischem Bruttoumsatz. Verschiebt ein 50-Zimmer-Hotel mit 70% Auslastung nur 10 Prozentpunkte seines Volumens vom teuersten zum günstigsten Kanal, entsteht ein fünfstelliger Mehrertrag pro Jahr. Die Werte sind Beispielzahlen — die Grössenordnung trifft auf die meisten Hotels zu.
Wie steuern Sie mit Net RevPAR?
Der Net RevPAR macht Distributionskosten in einer einzigen Kennzahl sichtbar:
Formel: Net RevPAR = (Zimmerumsatz − Distributionskosten) ÷ verfügbare Zimmer
Die Interpretation: Steigt der RevPAR, aber der Net RevPAR stagniert, wächst Ihr Hotel über teure Kanäle — der Zusatzumsatz kommt nicht bei Ihnen an. Bewegen sich beide Kennzahlen parallel nach oben, ist das Wachstum gesund. Öffnet sich die Schere über mehrere Monate, ist das ein klares Signal, den Kanal-Mix zu korrigieren.
Wie Net RevPAR mit GOPPAR und weiteren Profit-Kennzahlen zusammenspielt, zeigen wir im Artikel GOPPAR und Net RevPAR: Die Profit-Kennzahlen im Hotel.
Welche Segmente sind wirklich profitabel?
Distributionskosten sind eng mit Segmenten verknüpft — und die Brutto-Betrachtung verzerrt auch hier:
- Leisure über OTA: Hoher ADR, aber 15–25% Provision und oft kurzfristige Stornierungen. Netto häufig schwächer, als der Bruttoblick vermuten lässt — dafür flexibel steuerbar und ohne Volumenverpflichtung.
- Corporate-Contracted: Tieferer ADR durch Firmenraten, dafür geringe Distributionskosten (Direktbuchung oder GDS), planbares Volumen unter der Woche und stabile Zahlungsmoral. Netto oft besser als sein Ruf.
- Gruppen: Tiefe Raten und Handling-Aufwand, aber grosses Volumen mit einem einzigen Abschluss und Zusatzumsatz in F&B und Seminarbereich. Hier lohnt der Blick über den reinen Zimmerertrag hinaus.
Worauf Sie achten sollten: Vergleichen Sie Segmente nie nur über den ADR. Ein Corporate-Segment mit ADR EUR / CHF 160 und 4% Distributionskosten schlägt netto ein OTA-Segment mit ADR EUR / CHF 185 und 20% Provision.
Wie bauen Sie ein Channel-Mix-Reporting auf?
Ein brauchbares Channel-Mix-Reporting ist kein Grossprojekt. Ein monatlicher Rhythmus reicht, und die Datenquellen — PMS, Channel Manager, OTA-Extranets, Rechnungen — haben Sie bereits. Pro Kanal erfassen Sie vier Werte:
- Volumen: Anzahl Logiernächte je Kanal
- Bruttoumsatz: Zimmerumsatz je Kanal vor allen Abzügen
- Distributionskosten: Provisionen, Klickkosten, Gebühren, anteilige Direktkosten
- Nettoumsatz: Brutto minus Distributionskosten — zusätzlich als Netto-ADR je Kanal
Wichtig ist Konsequenz statt Perfektion: Lieber jeden Monat eine einfache Tabelle mit geschätzten Direktkosten als einmal im Jahr eine perfekte Analyse. Nach drei Monaten sehen Sie Muster — welcher Kanal wächst, welcher netto abfällt, wo sich Konditionen verschlechtert haben. Als der Outsourcing-Spezialist für Revenue Management in Independent- und Boutique-Hotels im DACH-Raum bauen wir dieses Reporting im Rahmen unseres Outsourced Revenue Management in den ersten Wochen jedes Mandats auf — es ist die Grundlage jeder Kanalentscheidung.
Welche Soll-Werte gelten für den Kanal-Mix?
Zielwerte hängen von Lage, Hoteltyp und Gästestruktur ab — als Orientierung haben sich aber einige Marken bewährt:
- OTA-Anteil unter 40% der Logiernächte gilt als gut gesteuert; Stadthotels erreichen oft 25–35%, Ferienhotels mit Stammgästen teilweise unter 20%
- Direktanteil über 30% als mittelfristiges Ziel — mit Best-Price-Garantie und funktionierender Buchungsstrecke realistisch
- Gesamtdistributionskosten unter 12–15% des Logisumsatzes als Richtwert für einen gesunden Mix
Der Weg dorthin führt nicht über das Abschalten von OTAs, sondern über bewusste Steuerung: OTAs als Akquisitionskanal für Neugäste, der Direktkanal für Wiederkehrer. Die Strategie dahinter beschreiben wir im Artikel OTA vs. Direktbuchung: Die richtige Balance finden.
Fazit: Netto steuern statt Brutto feiern
Der Bruttoumsatz beantwortet die Frage, wie viel verkauft wurde — nicht, wie viel verdient wurde. Wer seinen Kanal-Mix netto kennt, trifft bessere Entscheidungen bei Kontingenten, Raten und Marketingbudgets. Hotels, die konsequent auf Netto-Basis steuern, erreichen mit uns typischerweise 3–10% mehr Umsatz im ersten Jahr.
Wenn Sie wissen möchten, welcher Kanal in Ihrem Haus netto wirklich liefert: Die Kanal-Profitabilitätsanalyse ist fester Bestandteil unserer Segmentierungs-Leistung — die Konditionen finden Sie transparent auf unserer Preisseite.
Häufige Fragen
Welcher Buchungskanal ist am profitabelsten?
In den meisten Hotels die Direktbuchung: Mit Kosten von etwa 5–10% des Buchungswerts liegt sie deutlich unter OTA-Provisionen (15–25%) und Veranstalter-Abschlägen (20–30%). Wirklich kostenlos ist sie aber nicht — Booking Engine, Zahlungsabwicklung und Marketing kosten ebenfalls. Und: Der profitabelste Kanal ist nicht automatisch der beste Mix. OTAs bringen Neugäste, die Sie anschliessend in den Direktkanal überführen können.
Wie hoch dürfen die Distributionskosten sein?
Als Richtwert gelten Gesamtdistributionskosten von 12–15% des Logisumsatzes als gesund. Liegt Ihr Hotel deutlich darüber, ist meist der OTA- oder Veranstalter-Anteil zu hoch. Entscheidend ist zudem die Entwicklung: Steigen die Distributionskosten schneller als der Umsatz, kaufen Sie Wachstum teuer ein. Ein monatliches Channel-Mix-Reporting macht das frühzeitig sichtbar.
Was ist der Unterschied zwischen RevPAR und Net RevPAR?
Der RevPAR misst den Zimmerumsatz pro verfügbarem Zimmer — brutto, vor allen Vertriebskosten. Der Net RevPAR zieht die Distributionskosten ab und zeigt, was tatsächlich im Hotel ankommt. Ein steigender RevPAR bei stagnierendem Net RevPAR bedeutet: Das Wachstum kommt über teure Kanäle. Für Kanalentscheidungen ist der Net RevPAR deshalb die verlässlichere Steuerungsgrösse.
Sind Reiseveranstalter-Raten grundsätzlich unrentabel?
Nein. Nettoraten mit 20–30% Abschlag sind teuer, liefern aber planbares Volumen mit langem Vorlauf — wertvoll für Ferienhotels in Schulterzeiten, wenn Zimmer sonst leer blieben. Unrentabel wird das Geschäft, wenn Veranstalter-Kontingente in Hochnachfrage-Perioden Zimmer blockieren, die direkt zu deutlich besseren Raten verkauft worden wären. Entscheidend sind Kontingentsteuerung und Release-Fristen.
Wie erfasse ich die Kosten der Direktbuchung korrekt?
Summieren Sie die monatlichen Kosten für Booking Engine, Zahlungsabwicklung, Website-Betrieb und buchungsbezogenes Marketing (etwa Google Ads und Metasearch) und teilen Sie sie durch den Direktumsatz des Monats. So erhalten Sie eine effektive Kostenquote, die Sie direkt mit OTA-Provisionen vergleichen können. Perfekte Genauigkeit ist nicht nötig — eine konsistente Schätzung reicht für belastbare Kanalentscheidungen.




